Ratgeber

Loslassen tut gut: So gelingt der Abschied von alten Dingen

Das Geschirr ist zwar von Oma, wird aber nie benutzt: Kleine Dankbarkeits-Rituale können beim Abschied von Gegenständen helfen.

Die Halskette, die einem gar nicht gefällt, jedoch das erste Geschenk vom Ehemann war. Geerbte Gemälde, die seit Jahren im Karton liegen. Oder Bücher aus der Jugendzeit, die man mit Sicherheit nie wieder lesen wird. Die Liste der Dinge, die man nicht mehr braucht, aber trotzdem behält, ist lang.

«Das Aussortieren von Dingen fällt den meisten Menschen schwer. In der Regel haben wir mehr als wir brauchen», sagt die Psychologin und Coachin Petra Jagow. Die Menschen hierzulande hätten oft «eine romantische Beziehung» zu den Dingen. Sie sind Erinnerungen oder stehen für bestimmte Lebensphasen. 

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Das Problem dabei: «Wir haben in der Regel die Vorstellung, dass wir über die Dinge herrschen. Aber die Dinge herrschen auch über uns», sagt Jagow. Oft erzeugt das Gerümpel auf dem Dachboden, im Keller oder der Abstellkammer insgeheim Druck und belastet als unerledigte Aufgaben, die ständig im Hinterkopf bleiben.

Äußere Ordnung beeinflusst das innere Wohlbefinden

Bemerkbar wird das oft in schwierigen Lebensphasen, etwa wenn der Job gekündigt wird. Viele Menschen räumen dann zu Hause erst mal auf und stärken damit ihre Selbstwirksamkeit. «Ich kann entscheiden, wie die Dinge sind. Und nicht die Dinge entscheiden über mich», formuliert die Psychologin den Effekt.

Aber Ausmisten hat nicht nur in schwierigen Phasen Vorteile. Viele Menschen stellen beim Aussortieren fest: Jedes Stück, das wegkommt, sorgt für ein befreiendes Gefühl. Stress und Belastung sinken, die äußere Ordnung gibt dem Innenleben mehr Stabilität.

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Eine gute Gelegenheit zum Ausmisten ist ein Umzug. Man muss ohnehin jedes Stück in die Hand nehmen und mit weniger Gepäck zieht es sich leichter um. Aber auch der Frühjahrsputz, Jahreszeitenwechsel oder die Zeit vor Weihnachten bieten sich an.

Ein Eingeständnis an uns selbst

Doch der erste Schritt ist meist ein schwerer. Das hat verschiedene Gründe. «Es wirkt oft wie ein Eingeständnis, dass wir leider Geld verschwendet haben, obwohl die Ausgabe ja schon lange her ist», sagt die Psychologin Eva Wlodarek.

«Oder wir müssen uns von der Illusion verabschieden, den Gegenstand vielleicht doch noch irgendwann zu nutzen.» Wir müssen uns also eingestehen, dass wir nicht mehr in die enge Jeans passen, den Hometrainer nutzen, Klavier spielen, das 1.000-Teile-Puzzle legen oder mit dem Entsafter frischen Orangensaft zubereiten werden.

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Besonders schwierig wird das Ausmisten bei Geschenken und Erbstücken. Menschen haben laut Wlodarek das Gefühl, dass sie damit den Schenkenden missachten würden. «Bei Erbstücken kommt oft noch das Gefühl hinzu, eine Familiengeschichte bewahren zu müssen», sagt sie.

Schuldgefühle und Trauer gehören dazu

Dass beim Weggeben von persönlichen Dingen Schuldgefühle oder Wehmut auftreten, ist normal. Auch Trauer kann entstehen, da man sich nicht nur von dem Bild oder dem Schmuckstück, sondern damit gleichzeitig auch von Lebensabschnitten verabschiedet.

Wie fällt das Ausmisten leichter? Die besten Tipps der Psychologinnen:

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1. Klein anfangen

Sie haben vor, das komplette Haus auszumisten? Dann ist Überforderung vorprogrammiert. Sinnvoll ist laut Jagow, mit einem abgegrenzten Areal zu beginnen, etwa dem Kleiderschrank oder einem Regal. Alternativ kann man sich für den Anfang einen Bereich vornehmen, der einem täglich ins Auge fällt, etwa ein offenes Regal im Wohnzimmer oder Badezimmer.

Aus dem Ausmisten kann man auch eine Challenge machen: «Jeden Monat packe ich eine Plastiktüte voll und entsorge sie», schlägt Jagow vor. Bei diesem Vorgehen sind die Hürden gering und man merkt schnell, wie einem das Ausmisten und die anschließende Ordnung guttut. Das motiviert zusätzlich.

2. Klarheit bei Entscheidungen

Wlodarek empfiehlt, sich bei jedem Gegenstand zu fragen: «Ist er schön? Ist er nützlich? Macht er mich glücklich?» Wird keine der drei Fragen mit Ja beantwortet, kann der Gegenstand entsorgt werden.

Geht es um Kleidung, sollte jedes Stück vor der Entscheidung einmal angezogen werden. «Es muss einem ein gutes Gefühl geben», sagt Jagow. Falls nicht: weg damit. 

Menschen, denen Entscheidungen dennoch schwerfallen, rät die Psychologin zu einem kleinen Trick: Den Gegenstand in einen Koffer packen und diesen wegstellen. «Wenn man ihn nach einem Jahr nicht vermisst hat, wird der Koffer entsorgt, ohne ihn zuvor zu öffnen», so Jagow.

3. Erinnerungen bewahren

Man sollte sich bewusst machen, dass ein Gegenstand oft nur der Platzhalter für etwas Immaterielles ist, das man nicht verlieren möchte. Die Erinnerung, die man mit einem Gegenstand verbindet, könne aber auch auf andere Art erhalten werden, sagt Eva Wlodarek. Etwa mit einem Foto. Oder indem man die dazugehörigen Gefühle in einem Tagebuch formuliert.

Bei Erinnerungsstücken ist es sinnvoll, nur einen oder maximal wenige auszuwählen und diese bewusst in der Wohnung zu platzieren.

4. Bewusst loslassen und abgeben

Das Loslassen kann bewusst als kleines Ritual gestaltet werden. Dabei nimmt man den Gegenstand noch einmal liebevoll in die Hand und überlegt, wofür er gestanden. Dann bedankt man sich. 

Für die Entsorgung der aussortierten Gegenstände gibt es drei Möglichkeiten: wegwerfen, verschenken oder verkaufen. Wer Gegenstände an andere weitergibt, mildert oft das eigene schlechte Gewissen.